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Lift ergänzt 260 Stufen

Eberswalde (moz) Brandenburgs Minister für Infrastruktur und Landwirtschaft Jörg Vogelsänger hat am Mittwoch in Finow einen Förderbescheid zum Bau eines Aufzugs für den Wasserturm übergeben. 308 000 Euro wurden von der EU bewilligt, hinzu kommen rund 68 000 Euro aus dem Stadtumbauprogramm. Nach dem Ausbau werden bis auf die Aussichtsplattform alle Ausstellungsebenen barrierefrei erreichbar sein. Das Projekt soll 2011 fertiggestellt werden.

Bei gutem Wetter reicht die Sicht vom Finower Wasserturm 42 Kilometer Luftlinie weit bis zum Fernsehturm am Alexanderplatz. Ganz so weit konnte Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger bei seinem Besuch (SPD) am Dienstag nicht blicken, nachdem er die 260 Treppenstufen erklommen hatte – ein verhangener Novembertag eben.

Dennoch war er beeindruckt von dem aufwendig sanierten expressionistischen Bau aus den Jahren 1917/18 und von dem Panorama aus 44 Metern Höhe. „Ein wunderbarer Ausblick. Der Wasserturm ist zusätzlich zu den landschaftlichen Reizen ein besonderer Grund, nach Eberswalde zu kommen“, sagte Vogelsänger. „Ich freue mich, dass Eberswalde seine touristische Infrastruktur weiterentwickelt.“

Um das zu ermöglichen, überreichte er Eberswaldes Bürgermeister Friedhelm Boginski (FDP) einen Förderbescheid, mit dem bis zum nächsten Jahr ein Aufzug in einer der vier monumentalen Backsteinfüße des Turmes gebaut werden soll. Rund 308 000 Euro kommen von der Europäischen Union aus dem Programm „Nachhaltige Stadtentwicklung“. Weitere je 34 000 Euro kommen mit dem Stadtumbauprogramm von der Stadt und vom Land Brandenburg. Außer dem Aufzug soll auch noch eine barrierefreie Toilette in den Turm gebaut werden. Der Fahrstuhl wird allerdings nur bis zur Dauerausstellung auf der Ebene des Wassertanks reichen. Ein Durchbruch bis zur Aussichtsplattform wäre bautechnisch schwer zu realisieren, da die Stahlbetondecke eine statische Funktion hat.

34 000 Euro seien für Eberswalde eine große Herausforderung, sagte Bürgermeister Boginski anlässlich der Förderbescheid-Übergabe. „Aber es lohnt sich.“ Der Turm habe als Wahrzeichen des Finowtals eine zentrale Bedeutung für den Tourismus.

Eberswaldes Baudezernentin Anne Fellner sagte, dass der Stellenwert des Wasserturmes den einer touristischen Attraktion übersteigen würde: „Man blickt nicht nur in die Ferne, sondern auch in die Tiefe der eigenen Geschichte.“ Sie freute sich über das „klares Bekenntnis zur Industriegeschichte der Stadt Finow“, das mit dem Umbau einher gehe.

Der alte Wasserturm ist in mehreren Bauabschnitten seit 2004 saniert und für den Publikumsverkehr umgerüstet worden. Insgesamt sind nun rund 1,6 Millionen Euro in das Projekt investiert worden. Die Initiative geht wesentlich auf den 2003 gegründeten Förderverein zurück. Wiederholt gelang es dem Verein, größere Summen an Spenden einzuwerben. Bürgermeister Boginski lobte das Zusammenwirken öffentlicher 
Fördermittel mit privatem Engagement: „Nur in dieser Symbiose kann man so etwas erreichen.“

Der Vereinsvorsitzende und Ortsvorsteher von Finow Arno Kuchenbecker blickt zufrieden auf die vergangenen Jahre des Einsatzes für den Turm zurück: „Jetzt liegt die Herausforderung für uns darin, dass der Betrieb und die kostenintensive Wartung laufen“, sagte Kuchenbecker. Nicht nur im Hinblick auf Rollstuhlfahrer sei der Umbau ein Gewinn: „Es ist immer wieder das Gleiche: Eine Gruppe von 20 Radfahrern kommt vorbei. Für zwei oder drei von ihnen ist der Aufstieg zu beschwerlich. Deshalb fahren sie alle einfach dran vorbei“, schildert er seine Erfahrungen.

Dran vorbeifahren, das will zumindest Infrastrukturminister Vogelsänger beim nächsten Besuch in Eberswalde nicht: „Ich werde auf jeden Fall wiederkommen, wenn auch nicht immer mit Fördermitteln“, sagte Vogelsänger, als er wieder auf dem Finower Erdboden angekommen war. Die 260 Treppenstufen wird er sich dann wohl sparen können.

 
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